Die 5 häufigsten Anschreiben-Fehler (und wie du sie vermeidest)
Diese 5 Anschreiben-Fehler kosten dich Vorstellungsgespräche. Lerne, wie du sie erkennst und sofort behebst.
Du hast dein Anschreiben zum zwanzigsten Mal umgeschrieben. Der erste Absatz klingt steif, der zweite zu generisch, und irgendwie fühlt sich das Ganze an wie ein Schulaufsatz. Etwas stimmt nicht, aber du kannst den Finger nicht drauf legen.
Du liegst wahrscheinlich richtig. Und die Ursache ist fast immer einer dieser fünf Fehler, die wir bei hunderten von Bewerbungen sehen. Das Gute: Jeder einzelne lässt sich in wenigen Minuten beheben.
TL;DR
- Der Lebenslauf-Klon: Nicht den Lebenslauf in Prosa nacherzählen, sondern die Geschichte dahinter liefern
- Der Ich-Monolog: Nicht jeden Satz mit "Ich" beginnen, sondern die Bedürfnisse des Unternehmens in den Mittelpunkt stellen
- Die Massensendung: Nicht dasselbe Anschreiben an alle schicken, sondern konkret auf Unternehmen und Stelle eingehen
- Der Roman: Nicht über eine Seite hinausschreiben, sondern 3-4 Absätze mit klarer Funktion
- Der schwache Einstieg: Nicht mit "Hiermit bewerbe ich mich..." starten, sondern mit Mehrwert, Leidenschaft oder einem Hook
Fehler #1: Der Lebenslauf-Klon
Von 2019 bis 2022 war ich bei der Firma Müller GmbH als Marketing Manager tätig. Dort war ich für Social-Media-Kampagnen, Newsletter und Events zuständig. Anschließend wechselte ich zur Schmidt AG, wo ich die Leitung des Content-Teams übernahm.
Kommt dir das bekannt vor? Genau so lesen sich die meisten Anschreiben: eine chronologische Nacherzählung des Lebenslaufs, nur eben in ganzen Sätzen. Das Problem dabei ist einfach. Der Recruiter hat deinen Lebenslauf bereits vor sich liegen. Wenn dein Anschreiben dieselben Informationen wiederholt, nur eben weniger übersichtlich, verschwendest du den wertvollsten Platz deiner Bewerbung.
Das Anschreiben beantwortet eine andere Frage als der Lebenslauf. Der Lebenslauf sagt: "Das habe ich gemacht." Das Anschreiben sagt: "Das ist der Grund, warum genau ich die richtige Person für genau diese Stelle bin."
So geht es besser:
Bei der Müller GmbH habe ich zum ersten Mal erlebt, was passiert, wenn Content-Strategie und Vertrieb zusammenarbeiten: Unsere Lead-Generierung stieg innerhalb von 6 Monaten um 45%. Diese Erfahrung hat mich überzeugt, dass datengetriebenes Marketing der Schlüssel ist. Genau deshalb reizt mich die Content-Lead-Rolle bei Ihnen.
Merkst du den Unterschied? Statt Fakten aufzulisten, erzählst du die Geschichte hinter den Fakten. Du zeigst, was du gelernt hast und warum das für die neue Stelle relevant ist.
Tipp: Nimm dir die zwei oder drei stärksten Stationen aus deinem Lebenslauf und frag dich: Was habe ich dort gelernt, das sonst niemand aus meinem Lebenslauf herauslesen kann?
Fehler #2: Der Ich-Monolog
Ich bin ein erfahrener Projektmanager. Ich habe in den letzten 5 Jahren mehrere Teams geleitet. Ich verfüge über ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten. Ich bin flexibel und belastbar. Ich möchte meine Fähigkeiten in Ihrem Unternehmen einbringen.
Fünf Sätze, fünfmal "Ich". Dieses Muster ist so verbreitet, dass Recruiter es sofort erkennen. Das Problem ist nicht, dass du über dich schreibst. Natürlich geht es um dich. Das Problem ist die Perspektive. Ein Anschreiben, das nur von dir handelt, beantwortet nicht die Frage, die den Recruiter wirklich interessiert: "Was bringt mir dieser Mensch?"
Dreh die Perspektive um. Statt bei dir zu starten und zu hoffen, dass der Recruiter die Verbindung zur Stelle selbst herstellt, starte bei den Bedürfnissen des Unternehmens und zeige dann, wie du sie erfüllst.
So geht es besser:
Ihr Team wächst schnell, und die Stellenanzeige macht deutlich, dass Sie jemanden brauchen, der Struktur in komplexe Projekte bringt, ohne die Agilität zu bremsen. Genau das ist meine Stärke: Bei der Meier AG habe ich ein 8-köpfiges Team durch eine Systemumstellung geführt und dabei die Sprint-Velocity um 25% gesteigert.
Tipp: Lies dein fertiges Anschreiben durch und zähle, wie oft "Ich" am Satzanfang steht. Wenn es mehr als dreimal vorkommt, formuliere um. Beginne Sätze stattdessen mit dem Unternehmen, dem Ergebnis oder der Herausforderung.
Fehler #3: Die Massensendung
Sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen und bin überzeugt, dass meine Qualifikationen hervorragend zu der ausgeschriebenen Position passen. Ihr Unternehmen ist ein innovativer Marktführer, und ich würde gerne Teil Ihres Teams werden.
Dieser Absatz könnte an jedes Unternehmen der Welt gehen. Und genau das ist das Problem. Recruiter erkennen Massensendungen sofort, auch wenn du den Firmennamen ausgetauscht hast. Es fehlen die Details, die zeigen, dass du dich tatsächlich mit dem Unternehmen beschäftigt hast.
Warum ist das so fatal? Weil das Anschreiben genau dafür da ist: zu zeigen, dass du diese Stelle willst und nicht irgendeine. Wenn dein Anschreiben austauschbar ist, warum sollte der Recruiter dir dann nicht auch eine austauschbare Absage schicken?
So geht es besser:
Dass TechCorp gerade sein Customer-Success-Team von 5 auf 15 Personen ausbaut, habe ich auf Ihrem LinkedIn-Profil gelesen. Als jemand, der bei der Digital AG ein CS-Team von Grund auf aufgebaut hat, weiß ich, welche Herausforderungen in dieser Wachstumsphase auftreten. Genau dabei kann ich Sie unterstützen.
Konkrete Details, die funktionieren:
- Ein aktuelles Projekt oder eine News des Unternehmens nennen
- Bezug zur Stellenausschreibung herstellen (spezifische Anforderungen zitieren)
- Ein Produkt oder einen Service erwähnen, der dich beeindruckt hat
- Einen konkreten Ansprechpartner recherchieren und persönlich ansprechen
Tipp: Investiere 10 Minuten Recherche pro Bewerbung. Schau dir die LinkedIn-Seite des Unternehmens, aktuelle Pressemitteilungen oder die "Über uns"-Seite an. Ein einziger konkreter Satz macht den Unterschied.
Fehler #4: Der Roman
(Stell dir hier ein Anschreiben vor, das anderthalb Seiten füllt, mit langen Absätzen, verschachtelten Sätzen und einer ausführlichen Nacherzählung deines gesamten Werdegangs seit dem Schulabschluss.)
Ja, wir wissen: Du hast viel zu sagen. Aber ein Anschreiben ist kein Aufsatz. Recruiter lesen im Schnitt Dutzende Bewerbungen pro Tag. Ein Anschreiben, das über eine DIN-A4-Seite hinausgeht, wird nicht zu Ende gelesen. In vielen Fällen wird es gar nicht gelesen, weil die schiere Länge schon signalisiert: Diese Person kann nicht priorisieren.
Die ideale Länge liegt bei 250 bis 400 Wörtern, aufgeteilt in 3 bis 4 Absätze. Jeder Absatz hat eine klare Funktion:
- Einleitung (2-3 Sätze): Hook, Bezug zur Stelle, dein stärkstes Argument
- Hauptteil (3-5 Sätze): 1-2 konkrete Beispiele, die deine Eignung belegen
- Unternehmensbezug (2-3 Sätze): Warum dieses Unternehmen, warum diese Rolle
- Schluss (1-2 Sätze): Selbstbewusster Call-to-Action, Verfügbarkeit
Kürzen-Checkliste:
- Jeder Satz, der keine neue Information bringt: streichen
- Floskeln wie "des Weiteren", "darüber hinaus", "im Rahmen meiner Tätigkeit": kürzen
- Doppelte Informationen (die schon im Lebenslauf stehen): raus
- Mehr als zwei Beispiele im Hauptteil: das schwächste entfernen
Tipp: Wenn dein Anschreiben fertig ist, versuche es um 20% zu kürzen. Fast immer wird es dadurch besser, nicht schlechter.
Fehler #5: Der schwache Einstieg
Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Vertriebsmitarbeiter, die ich auf StepStone gefunden habe. Mit großem Interesse habe ich die Anforderungen gelesen und bin der Meinung, dass ich gut auf die Position passe.
Das ist der häufigste Einstieg in deutschen Anschreiben. Und der langweiligste. "Hiermit bewerbe ich mich" ist die Bewerbungs-Version von "Es war einmal": Jeder benutzt es, aber niemand bleibt deshalb hängen.
Warum ist der Einstieg so wichtig? Weil er das Einzige ist, was garantiert gelesen wird. Recruiter überfliegen den ersten Absatz, und wenn dort nichts Interessantes steht, überfliegen sie den Rest noch schneller oder legen das Anschreiben direkt beiseite.
Drei Einstiegs-Formeln, die funktionieren:
Die Ergebnis-Einleitung:
In 4 Jahren als Vertriebsleiterin habe ich 3 Millionen Euro Neukundengeschäft aufgebaut. Bei der Schmidt AG möchte ich diese Erfahrung nutzen, um Ihr Geschäft im DACH-Raum zu skalieren.
Die Verbindungs-Einleitung:
Dass Sie Ihren Vertrieb gerade neu aufstellen, hat mich sofort angesprochen. Genau diese Phase kenne ich: Bei meinem aktuellen Arbeitgeber habe ich den Vertriebsprozess von Grund auf umstrukturiert.
Die Relevanz-Einleitung:
Ihre Stellenausschreibung beschreibt jemanden, der Kaltakquise liebt und datengetrieben arbeitet. In meiner aktuellen Rolle konvertiere ich 30% meiner Cold Calls in Termine, weil ich jeden Anruf mit einer individuellen Recherche vorbereite.
Tipp: Lies deinen ersten Satz und frag dich ehrlich: Würde ich nach diesem Satz weiterlesen? Wenn die Antwort "vielleicht" ist, schreib ihn neu.
Wenn du Hilfe beim Formulieren brauchst, probiere den Anschreiben Builder von Lebenslauf AI aus. Er generiert dir einen starken Einstieg, den du dann verfeinern kannst.
Bonus: Die Checkliste vor dem Absenden
Bevor du auf "Absenden" klickst, geh diese fünf Punkte durch:
- Kein Lebenslauf-Klon: Erzählt dein Anschreiben die Geschichte hinter den Fakten?
- Perspektive stimmt: Beginnen weniger als drei Sätze mit "Ich"?
- Individuell: Enthält dein Anschreiben mindestens ein spezifisches Detail über das Unternehmen?
- Kompakt: Passt alles auf eine DIN-A4-Seite (maximal 400 Wörter)?
- Starker Einstieg: Würdest du nach dem ersten Satz selbst weiterlesen?
Häufig gestellte Fragen
Wie erkenne ich, ob mein Anschreiben zu generisch ist?
Mach den Austausch-Test: Ersetze den Firmennamen durch ein anderes Unternehmen. Wenn das Anschreiben immer noch Sinn ergibt, ohne dass du etwas ändern müsstest, ist es zu generisch. Ein gutes Anschreiben funktioniert nur für genau diese eine Stelle bei genau diesem einen Unternehmen.
Muss ich wirklich jedes Anschreiben komplett neu schreiben?
Nein. Erstelle ein solides Basis-Anschreiben und passe dann für jede Bewerbung drei Dinge an: den Einstieg (Bezug zur Stelle), den Hauptteil (relevanteste Beispiele) und den Unternehmensbezug (warum dieses Unternehmen). Das dauert 15 bis 20 Minuten pro Bewerbung. Oder du nutzt den Anschreiben Builder, der dir in Sekunden ein maßgeschneidertes Anschreiben erstellt.
Gelten diese Tipps auch für Initiativbewerbungen?
Die Grundprinzipien (kein Lebenslauf-Klon, kein Ich-Monolog, starker Einstieg) gelten genauso. Bei einer Initiativbewerbung ist der Unternehmensbezug sogar noch wichtiger, weil du ohne konkrete Stellenausschreibung besonders gut begründen musst, warum du dich an dieses Unternehmen wendest. Einen ausführlichen Leitfaden dazu findest du in unserem Artikel Initiativbewerbung: Anleitung und Tipps.
Fazit
Die meisten Anschreiben scheitern nicht an mangelndem Talent oder fehlender Erfahrung. Sie scheitern an vermeidbaren Fehlern: zu generisch, zu lang, zu langweilig. Wenn du die fünf Fehler aus diesem Artikel vermeidest, bist du bereits besser aufgestellt als die große Mehrheit der Bewerber.
Fang mit dem Einstieg an. Streich "Hiermit bewerbe ich mich" und ersetze es durch einen Satz, der zeigt, was du mitbringst. Dann arbeite dich durch die restlichen vier Punkte. Du wirst den Unterschied in den Antworten merken.
Wenn du einen starken Startpunkt brauchst, erstelle dein Anschreiben mit dem Anschreiben Builder von Lebenslauf AI. Und vergiss nicht: Dein Lebenslauf sollte genauso stark sein wie dein Anschreiben. Wenn du Tipps zur Formulierung suchst, lies unseren Guide Anschreiben richtig formulieren.
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